Anleitung zum Nähen einer Tunika

von Roland Lorenz

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Für unsere erste Tunika verwenden wir einen T-Schnitt wie er auf Bild 1 dargestellt ist.  Dieser Schnitt hat sich wegen seiner Einfachheit bewährt und bietet auch beim Schwertkampf, bei dem man den Arm auch mal etwas höher nehmen muss, eine gute Bewegungsfreiheit. Für den Kragen wählen wir den sogenannten Schlüssellochkragen der damals weit verbreitet war. Tunika1.jpg (10252 Byte)

Zunächst nehmen wir einmal die wichtigsten Masse, die wir zum Nähen der Tunika benötigen. Diese Maße können entweder direkt an der Person gemessen werden (Bild 2)oder auch an einem angenehm passenden Sweatshirt. 

Wir unterscheiden folgende Werte:
A = Kragenausschnitt
B = großzügige Schulterbreite
C = Länge der Tunika
D = Armlänge

Wert C, die Länge der Tunika richtet sich nach der Zeit für die die Tunika vorgesehen ist. Die Wikinger um 800 trugen ihre Tuniken bis etwa zur Mitte des Oberschenkels. Um 1000 also etwa zur Zeit der Normannen waren die Tuniken länger und gingen bis über das Knie.
Wert D, es empfiehlt sich bei der ersten Tunika den Ärmel etwas länger auszuschneiden und nach der Fertigstellung bzw. dem Anprobieren den idealen Wert zu ermitteln

Jetzt können wir uns unseren Stoff zuwenden. Es empfiehlt sich den Stoff vorher bei mindestens 60° zu waschen und falls vorhanden im Trockner zu trocknen, damit er später nicht mehr einläuft. Danach sollt der Stoff gebügelt werden. Auch Wollstoffe können vor dem Nähen so behandelt werden. Die fertige Wolltunika sollte aber nur noch mit max. 30° gewaschen und ohne Trockner getrocknet werden. Es sei den Ihr habt Kinder, die auch eine Tunika tragen wollen ;-)) . Bei meinen Leinentuniken konnte ich bei einer Temperatur von 40° und anschließendem Trockner kein weiteres Einlaufen feststellen

Zunächst schneiden wir die Stoffbahn in einer Länge, die 2x dem Wert C entspricht ab. Diese Stoffbahn wir einmal gefaltet und am Rand abgeschnitten um die Schulterbreite, den Wert B zu erhalten. Wird ein zusammengelegter Stoff geschnitten, empfiehlt es sich die Schnittkante vorher mit Nadeln zu fixieren damit der Stoff beim Schneiden nicht verrutscht. Bild 3

Tunika3.jpg (22257 Byte)
Tunika4.jpg (19748 Byte) Nachdem wir mit Kreide die Faltkante markiert haben, können wir die Stoffbahn wieder auseinander falten und uns dem Kragen widmen. Am besten entwerfen wir den Kragen auf einem Stück Packpapier, wie in dem Beispiel auf Bild 4. Dabei die Nahtzugabe von ca. 1 cm nicht vergessen. Durch die Nahtzugabe verringert sich natürlich auch der innere Durchmesser des Halsausschnittes. Dieses Kragenmodell (Beleg) legen wir auf die Stoffbahn und zeichnen das auszuschneidende Kragenloch auf. Anschließend übertragen wir diese Packpapiervorlage noch auf ein ausreichendes Stück Stoff für den Belag. 

Vor dem Ausschneiden dieses Beleges kann man noch ein Stück Vlieseline aufbügeln um den Belag zu verstärken. Das ist zwar nicht authentisch. lässt sich aber besser nähen, franst nicht aus, der Kragen liegt besser und außenden sieht man es hinterher sowieso nicht. Alles klar.
Der Brustschlitz wird in diesem Stadium noch nicht aufgeschnitten !!!

Jetzt wir der Belag zunächst mit Stecknadeln auf der linken Seite des Stoffes fixiert und mit einem Steppstich von Hand angenäht. Siehe Bild 5. Bei dieser Naht sollten nur geübte auf eine Nähmaschine zurückgreifen. Da es sich aber um eine verdeckte Naht handelt ist es ohne weiteres möglich. Tunika5.jpg (23061 Byte)
Tunika6.jpg (33810 Byte) Der nächste Schritt ist fast der wichtigste. Am inneren Rand müssen jetzt bis zur Nahtlinie kleine Dreiecke herausgeschnitten werden. Bei einer starken Rundung mehr als bei einer flachen. Damit wird verhindert, das sich der Stoff nach dem umwenden aufstellt und der Kragen nicht flach anliegt. Danach kann auch der Brustschlitz eingeschnitten werden. Entlang des Schnittes die Kannten sofort mit einem Saumstich versäubern, da die Stoffkanten nur ca. 2 mm von der Naht entfernt liegen und sehr schnell ausfransen können. Siehe Bild 6 und Bild 6a. Tunika6a.jpg (44641 Byte)
Jetzt kann der Belag auf die rechte Seite umgewendet werden. Es ist von Vorteil vor dem Weiterarbeiten zunächst die Kanten der umgewendeten Naht auszubügeln damit der Belag wieder gut aufliegt.
Danach werden die äußeren Kannten leicht eingeschlagen und mit einem Rundstich auf der rechten Seite vernäht. Siehe auch Bild 7. Vor dem nähen kann man auch die umgeschlagenen Kannten bügeln um sich die Arbeit zu erleichtern. Auf jeden Fall sollte der Belag vor dem Nähen mit Stecknadeln fixiert werden damit er sich nicht verzieht oder verrutscht. 
Um ein eventuelles Ausreißen des Brustschlitzes zu verhindern näht man einen kleinen Riegel auf. Siehe auch Bild 7. Damit der Riegel nicht zuviel vom Brustschlitz zumacht sollte man sich die Tunika einmal über den Kopf ziehen um den Spielraum zu ermitteln. Am Ende wird alles noch einmal gut gebügelt und fertig ist der Kragen.
Tunika7.jpg (18586 Byte)
Tunika8.jpg (13165 Byte)
Tunika9.jpg (8577 Byte)
Als nächstes fertigen wir uns aus einem Stück Packpapier, das wir einmal gefaltet haben die Schablone für die Ärmel. Bild 8. Für die Länge nehmen wir den ermittelten Wert D. Die einfache Breite liegt ungefähr bei ca. 33 cm. Als weite am Handgelenk habe ich bei mit ca. 17 cm ermittelt. Für die Länge des Ärmels und die Weite am Handgelenk sollte man bei der ersten Tunika aber lieber 2-3 cm draufschlagen. Es ist leichter etwas umzuschlagen bzw. abzuschneiden als etwa ein Stück anzunähen. Nach den ersten Anproben der Tunika kann man die vorgefertigten Schablonen immer noch optimieren. Bitte beachten das überall noch eine Nahtzugabe von ca. 1 cm dazukommt.
Jetzt können wir, wie auf Bild 9 gezeigt, unsere Schablone aufklappen und auf den Stoff übertragen.
Nachdem wir die Ärmel aus dem Stoff ausgeschnitten haben, werden auch hier zunächst die Stoffkanten mit der Nähmaschine und einem Zick Zack Stich versäubert. Puristen können natürlich auch hier mit einem handgenähten Saumstich arbeiten.
Jetzt können die Ärmel angenäht werden. Da es sich hier wieder um eine verdeckte Naht handelt kann die durchaus mit der Nähmaschine geschehen oder aber man näht mit einem Steppstich von Hand. Wer möchte kann die Tunika jetzt schon einmal anziehen und die noch offenen Nähte an der Seite und am Ärmel grob mit Stecknadeln fixieren. Dabei lässt sich die Armlänge und auch die Weite am Handgelenk noch einmal korrigieren. Nun werden die Ärmel entsprechend eingeschlagen und, da diese Naht sichtbar wird, von Hand mit einem Saumstich linksseitig umgeschlagen und vernäht. Bild 10 Tunika10.jpg (17004 Byte)
Tunika11.jpg (16277 Byte) Danach werden die noch verbleibenden Nähte, wie in Bild 11 beschrieben, genäht und dabei auch die Dreiecke an der Seite der Tunika eingenäht. Natürlich werden auch diese Dreiecke an den Stoffkanten mit einem maschinelle Zick Zack Stich versäubert. Diese Dreiecke, die eine größere Bewegungsfreiheit zulassen, sind oft nur bei den langen Tuniken der Normannen notwendig. Bei den kürzeren Wikinger Tuniken können sie oftmals weggelassen oder zumindest schmäler eingesetzt werden. Eine Notwendigkeit kann aber auch schon bei der im vorherigen Schritt empfohlenen Anprobe festgestellt werden. Am Ende wird noch der untere Rand der Tunika nach innen umgeschlagen und auch hier mit der Hand mittels einem Saumstich vernäht. Jetzt alle Nähte noch einmal Bügeln und fertig ist Eure erste Tunika.